Stuhl

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Stuhl [ʃtu:l], der; -[e]s, Stühle ['ʃty:lə]:
1. mit vier Beinen, einer Rückenlehne und gelegentlich mit Armlehnen versehenes Möbel, auf dem eine Person sitzen kann:
ein harter, gepolsterter, drehbarer Stuhl; ein Stuhl mit hoher Lehne; Stühle stehen um den Tisch; Stühle aufstellen; jmdm. einen/keinen Stuhl anbieten (ihn [nicht] zum Sitzen auffordern); sich auf einen Stuhl setzen; sie rutschte unruhig auf dem Stuhl hin und her; vom Stuhl aufspringen.
Syn.: Fauteuil (österr., schweiz.), Hocker, Schemel, Sitzmöbel.
Zus.: Drehstuhl, Gartenstuhl, Holzstuhl, Kinderstuhl, Klappstuhl, Klavierstuhl, Küchenstuhl, Lehnstuhl, Polsterstuhl, Schaukelstuhl, Schreibtischstuhl.
2. <ohne Plural>
a) (bes. Med.) Kot des Menschen:
den Stuhl untersuchen lassen.
Syn.: Ausscheidung, Exkrement, Kacke (derb), Scheiße (derb), Stuhlgang.
b) Stuhlgang (a):
der Arzt fragte sie, ob sie regelmäßig Stuhl habe.

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Stuhl 〈m. 1u
1. Sitzmöbel mit Rückenlehne (Garten\Stuhl, Korb\Stuhl, Küchen\Stuhl)
2. Sitzmöbel zum Zusammenklappen od. -falten ohne Lehne (Jagd\Stuhl, Klapp\Stuhl)
3. 〈fig.; in einigen Zus.〉 Amt (Lehr\Stuhl, Richter\Stuhl)
4. 〈kurz für〉 Stuhlgang
5. menschl. Kot
● jmdm. einen \Stuhl anbieten jmdn. zum Sitzen auffordern ● der Apostolische, Heilige, Päpstliche, Römische \Stuhl die päpstliche Regierung; ein bequemer, gepolsterter, harter, hölzerner \Stuhl; blutiger, harter, weicher \Stuhl Stuhlgang; einen Mörder durch den elektrischen \Stuhl hinrichten ● sich auf einen \Stuhl setzen; Meister vom \Stuhl Leiter einer Freimaurerloge; ich wäre beinahe vom \Stuhl gefallen, als ich das hörte (so erschrak ich, so überrascht, erstaunt, entsetzt war ich) 〈umg.〉; jmdm. den \Stuhl vor die Tür setzen 〈fig.〉 ihn hinauswerfen; sich zwischen zwei Stühle setzen, 〈schweiz.〉 zwischen \Stuhl und Bank fallen 〈fig.〉 sich nicht zw. zwei Gelegenheiten, Möglichkeiten entscheiden können; zwischen zwei Stühlen sitzen 〈fig.〉 sich zw. zwei Möglichkeiten entscheiden müssen [<mhd. <ahd. stuol <got. stols „Thron, Hochsitz, Gestell“; zu idg. *stu-, sta- „stehen“; → stehen]

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Stuhl: svw. Kot.

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Stuhl , der; -[e]s, Stühle [mhd., ahd. stuol, eigtl. = Gestell, verw. mit stehen]:
1. mit vier Beinen, einer Rückenlehne u. gelegentlich Armlehnen versehenes Sitzmöbel für eine Person:
ein wackliger S.;
ein S. mit hoher Lehne;
Stühle stehen um den Tisch;
die Stühle aufstellen, auf den Tisch stellen;
jmdm. einen S. anbieten (ihn zum Sitzen auffordern);
sich auf einen S. setzen;
auf dem S. sitzen, hin und her rutschen;
vom S. aufstehen, aufspringen;
Ü ihr S. (ihr Arbeitsplatz) war inzwischen anderweitig besetzt;
elektrischer S. (einem Stuhl ähnliche Vorrichtung, auf der sitzend ein zum Tode Verurteilter durch Starkstrom hingerichtet wird; von engl. electric chair);
heißer S. (Jugendspr. veraltend; [schweres] Motorrad, Moped o. Ä.);
jmdm. den S. vor die Tür setzen (1. jmdn. aus seinem Haus weisen. 2. jmdm. [in spektakulärer Form] kündigen);
[fast] vom S. fallen (ugs.; sehr überrascht, entsetzt über etw. sein);
jmdn. [nicht] vom S. reißen/hauen (ugs.; jmdn. [nicht] sehr erstaunen, begeistern);
sich zwischen zwei/alle Stühle setzen (sich zwei bzw. mehrere Möglichkeiten o. Ä. gleichermaßen verscherzen);
zwischen zwei/allen Stühlen sitzen (in der unangenehmen Lage sein, sich zwei bzw. mehrere Möglichkeiten o. Ä. gleichermaßen verscherzt zu haben).
2. Kurzf. von Behandlungsstuhl.
3. (kath. Kirche) nur in bestimmten Fügungen:
der Apostolische, Heilige S., der S. Petri (Bez. für das Amt des Papstes, den Papst als Träger des Amtes u. die päpstlichen Behörden);
der bischöfliche S. (Bischofssitz).
4. [spätmhd., aus der mhd. Wendung »ze stuole gān = zum Nachtstuhl gehen«, vgl. Stuhlgang]
a) Kurzf. von Stuhlgang (a);
b) Kot (1) vom Menschen.

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Stuhl,
 
1) allgemein: Sitzmöbel mit Rückenlehne (der Lehnstuhl auch mit Armstützen).
 
 
Der Stuhl entwickelte sich aus dem Hocker, einem drei- oder vierbeinigen Sitz, der im Altertum noch überwog. Der antike Stuhl hatte oft ausschwingende Beine oder war ein gedrechselter Pfostenstuhl, zum Teil mit verziertem Rückenteil. Er diente v. a. als Sitzmöbel der Frauen. Als Amtsstuhl wurde in Rom die »Sella curulis«, ein Faltstuhl, verwendet. Im Mittelalter trat der Stuhl in verschiedenen Formen auf, er war aus Pfosten, u. a. gedrechselten Rundpfosten, zusammengesetzt oder kastenförmig gestaltet, zum Teil auch als Faltstuhl. Diese Stühle waren vorwiegend in Kirchenbesitz. Nur allmählich fanden Stühle in Bürger- und Bauernhäuser Eingang und gehörten dort zuerst dem Hausherrn und seiner Frau, während die anderen Mitglieder der Hausgemeinschaft auf Hockern und Bänken saßen. So kam der Klapp- oder Scherenstuhl erst nach 1500 in ganz Deutschland in profanen Gebrauch. In der Renaissance wurde der italienische Sgabello insofern formprägend, als aus ihm der Brettstuhl mit schrägen Beinen und vielfältiger Kontur des beschnitzten Rückenbrettes entstand. Er lebte als Bauernstuhl bis in das 19. Jahrhundert fort. Der Pfostenstuhl erhielt seit dem 16. Jahrhundert, wenn auch nicht durchgehend, Sitz- und Rückenpolster, die mit Leder oder kostbaren, gemusterten Stoffen bezogen wurden. Stühle mit Rohrsitzen anstelle der Polsterung traten zuerst Mitte des 17. Jahrhunderts auf. Im 18. Jahrhundert erschienen die konstruktiven Teile den Stiltendenzen entsprechend geschwungen. Von England aus verbreiteten sich mit den Vorlagwerken die Formen von R. Adam, T. Chippendale, G. Hepplewhite. In der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts war der Stuhl das erste Möbel, das in industrieller Fertigung hergestellt wurde; z. B. durch die Erfindung M. Thonets (1830), aus gebogenem Massivholz Möbel zu arbeiten. Seine Stühle beherrschten den Weltmarkt seit etwa 1870. Gleichzeitig verbreitete sich der Eisenstuhl, vornehmlich als Gartenmöbel, und seit der Jahrhundertwende der Stahlrohrstuhl. Der Vorzug des französischen Blechstuhls nach 1920 war die leichte Stapelbarkeit. Neue Materialien wie Kunststoff und Aluminium regten seither zu neuen Gestaltungen an. Zu den »Klassikern« unter den Stühlen des 20. Jahrhunderts gehören Entwürfe von F. L. Wright, G. Rietveld, M. Breuer, Le Corbusier, M. Stam, L. Mies van der Rohe, A. Aalto, C. Eames, A. Jacobsen und Eero Saarinen. Stuhlmuseen bestehen in Weil am Rhein (Vitra Design Museum) und Bad Bevensen.
 
 
Der S. Funktion, Konstruktion, Form. Von der Antike bis zur Gegenwart, bearb. v. H. Eckstein (1977);
 J. van Geest u. O. Mácel: Stühle aus Stahl. Metallmöbel 1925-1940 (1980);
 F. Russell: S. u. Stil 1850-1950 (a. d. Engl., 1980);
 H. Eickhoff: Himmelsthron u. Schaukelstuhl. Die Gesch. des Sitzens (1993).
 
 2) Medizin: der Kot.
 

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Stuhl, der; -[e]s, Stühle [mhd., ahd. stuol, eigtl. = Gestell, verw. mit ↑stehen; 4: spätmhd., aus der mhd. Wendung „ze stuole gān = zum Nachtstuhl gehen“, vgl. ↑Stuhlgang]: 1. mit vier Beinen, einer Rückenlehne u. gelegentlich Armlehnen versehenes Sitzmöbel für eine Person: ein harter, gepolsterter, drehbarer, wackliger S.; ein S. mit hoher Lehne, mit Armlehnen; Stühle stehen um den Tisch; Stühle aufstellen; Wenn das alles getan ist, rückt man noch die Stühle zurecht (Horn, Gäste 156); der letzte Ober stellt die Stühle auf den Tisch (Schnabel, Marmor 129); er würde sein Arbeitspult, seinen S. im Refektorium wieder einnehmen (Hesse, Narziß 92); jmdm. einen/keinen S. anbieten (ihn [nicht] zum Sitzen auffordern); sich auf einen S. setzen; auf dem S. sitzen; unruhig auf dem S. hin und her rutschen; er setzte sich in einen bequemen S. (Musil, Mann 616); vom S. aufstehen, aufspringen; Ü als er aus dem Urlaub zurückkehrte, war sein S. (sein Arbeitsplatz) anderweitig besetzt; *elektrischer S. (einem Stuhl ähnliche Vorrichtung, auf der sitzend ein zum Tode Verurteilter durch Starkstrom hingerichtet wird; LÜ von engl. electric chair); heißer S. (Jugendspr.; [schweres] Motorrad, Moped o. Ä.); jmdm. den S. vor die Tür setzen (1. jmdn. aus seinem Haus weisen. 2. jmdm. [in spektakulärer Form] kündigen; nach altem Rechtsbrauch ist der Stuhl Symbol für Eigentumsrecht und Herrschaft); [fast] vom S. fallen (ugs.; sehr überrascht, entsetzt über etw. sein); jmdn. [nicht] vom S. reißen/hauen (ugs.; jmdn. [nicht] sehr erstaunen, begeistern); mit etw. zu S./-e kommen (ugs.; ↑Pott 1 b); sich zwischen zwei Stühle setzen (sich zwei Möglichkeiten o. Ä. gleichermaßen verscherzen); zwischen zwei Stühlen sitzen (in der unangenehmen Lage sein, sich zwei Möglichkeiten o. Ä. gleichermaßen verscherzt zu haben). 2. kurz für ↑Behandlungsstuhl: der gynäkologische S., Helferin für Assistenz am S. ... gesucht (MM 13./14. 12. 80, 63); auf dem S. sitzen, liegen. 3. (kath. Kirche) nur in bestimmten Fügungen: der Apostolische, Heilige, Päpstliche, Römische S., der S. Petri (Bez. für das Amt des Papstes, den Papst als Träger des Amtes u. die päpstlichen Behörden); der bischöfliche S. (Bischofssitz). 4. a) kurz für ↑Stuhlgang (a): keinen S. haben; b) Kot (1) vom Menschen: der Gebissene hustet, erbricht, Blut geht mit Urin und S. ab (Grzimek, Serengeti 187); den S. untersuchen lassen.

Universal-Lexikon. 2012.

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  • Stuhl — Stuhl, 1) Sitz für eine Person mit einer Rückenlehne, welche aus zwei Seitenstücken u. einem Querstück (Kopfstück) in der Mitte besteht. Der eigentliche Sitz des S es ist meist gepolstert u. das Polster mit Leder od. einem eleganten Stoffe… …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Stuhl — Sm std. (8. Jh.), mhd. stuol, ahd. stuol, as. stōl Stammwort. Aus g. * stōla m. Stuhl , auch in gt. stols, anord. stóll, ae. stōl, afr. stōl. Ableitung zu stehen wie (nicht notwendigerweise urverwandt) lit. pastõlas Gestell , akslav. stolŭ Stuhl …   Etymologisches Wörterbuch der deutschen sprache

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  • Stuhl — Stuhl, allbekanntes Hausgeräthe; figürlich wurde es früh in ähnlichem Sinne gebraucht wie heute das Wort Bank und bezeichnet hohe Gerichtsbarkeit z.B. Schöppen S., dann S. gerichte (soviel als Gerichtsbezirk im Lande der Szekler und Sachsen).… …   Herders Conversations-Lexikon


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